Schritt für Schritt auf Zucker verzichten: Was ist zu beachten?

Schritt für Schritt auf Zucker verzichten: Was ist zu beachten?

Nie mehr Süßes! Komplett zuckerfrei leben! Es gibt Menschen, die das tatsächlich schaffen, allerdings sind das sehr, sehr wenige. Für die meisten von uns bedeutet ein derart radikaler, fast schon weltfremder Vorsatz eher Druck und Überforderung. Die Wahrscheinlichkeit hinzuwerfen ist hoch und häufig bleibt nur das frustrierende Gefühl – wieder mal – nicht durchgehalten zu haben.

Jetzt zu den guten Nachrichten: Um gesund zu bleiben und mit dem Gewicht besser zurechtzukommen, brauchen Sie nicht vollständig auf Zucker zu verzichten. Die Menge entscheidet, ob und wie sehr Sie sich mit Ihren „süßen Gewohnheiten“ schaden. Wie süß es für Sie persönlich sein muss, damit es schmeckt, oder eben nicht, ist außerdem trainierbar. Je mehr Sie süßen, desto mehr brauchen Sie – und umgekehrt. Langsam die Zuckermenge zu reduzieren, sensibilisiert das Geschmacksempfinden für süß wieder und senkt so Ihren Bedarf. Wer puren Fruchtsaft gewohnt ist, fängt zum Beispiel an, ihn mit Wasser zu mischen, bis er schließlich Wasser als idealen Durstlöscher empfindet, weil der pure Saft viel zu süß schmeckt.

Süß ist lecker und Essen soll schließlich Spaß machen! Zucker gehört eindeutig in die Genussabteilung und, wen wundert es, taugt nicht als Grundnahrungsmittel. Wählen Sie also ganz bewusst aus, wann Sie ihn genießen möchten. Und wo Sie ihn in Zukunft verbannen.

„ Zucker gehört eindeutig in die Genussabteilung und, wen wundert es, taugt nicht als Grundnahrungsmittel.“

Weniger Zucker auf Ihrem Teller: drei konkrete Tipps

  1. Verschaffen Sie sich einen Überblick!
    Wissen Sie eigentlich, wieviel Gezuckertes Sie täglich essen oder trinken? Bei Süßigkeiten oder Kuchen ist der hohe Zuckeranteil noch relativ einfach erkennbar. Aber wie steht es mit Fertigprodukten vom Salatdressing bis zur Essiggurke sowie wie mit Fruchtsaft oder Müslimischung? Schreiben Sie ein paar Tage lang alles auf, was Sie essen und trinken. Wirklich alles! So entdecken Sie Ihre persönlichen Zuckerfallen und können gleichzeitig grob addieren, was an einem Tag zusammenkommt. Mit diesem Überblick entscheiden Sie, welche Kandidaten in Ihrer Genussabteilung bleiben sollen und welche Sie aussortieren möchten.
  2. Lesen Sie Labels!
    Es mag am Anfang anstrengend sein, aber nur so entlarven Sie versteckten Zucker. Hätten Sie zum Beispiel in einem Becher Joghurt elf Stück Würfelzucker vermutet? Also das Kleingedruckte auf der Packung lesen: Teilen Sie einfach die angegebene Zuckermenge durch drei, das ergibt die Anzahl der enthaltenen Würfelzucker und zugleich eine gute Vorstellung. Auch ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich. Die Reihenfolge richtet sich nach der enthaltenen Menge, ganz oben steht, wovon am meisten drinsteckt. Zucker wird hinter vielen Namen getarnt: Glucose, Fructose, Saccharose, Maltose, Mais- oder Cornsirup … Je weiter oben in der Liste und je öfter solche Vertreter auftauchen, umso mehr Zucker steckt in Ihrem Produkt. Sie haben die Wahl!
  3. Planen Sie Ihre Mahlzeiten!
    Ein stressiger Vormittag, das Mittagessen ist mal wieder ausgefallen, um 14 Uhr gehen Sie am Geburtstagskuchen des Kollegen vorbei. Wer könnte jetzt Nein sagen? Stress und Hunger sind ideale Voraussetzungen zuzugreifen. Mit regelmäßigen Mahlzeiten, bei denen Sie sich satt essen, schützen Sie sich vor der Gier nach Süßem, das Sie eigentlich gar nicht essen wollten. Auch der Schokoriegel für den kleinen Hunger zwischendurch gehört in diese Kategorie. Erst lässt er Ihren Blutzucker schnell ansteigen, bald danach fällt der Wert stark ab. Was für Sie wieder Lust auf süß bedeutet. Um dieser Heißhungerachterbahn zu entkommen, legen Sie sich eine Handvoll Nüsse und einen Apfel bereit, wenn es mit der geplanten Mahlzeit mal nicht geklappt hat. Süßigkeiten gegen den Hunger? Besser nicht! Wenn Sie Lust darauf haben, dann lieber gleich nach der Mahlzeit, die Blutzuckerwirkung fällt dann viel sanfter aus.
Christine Blohme

Christine Blohme

Ökotrophologin und DGE-zertifizierte Ernährungsberaterin